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Gedanken zur Tradition

"Eine Tradition selber zu schaffen ist viel schwieriger, aber auch großartiger, als sie in den Resten verjährter Gesinnungen zu suchen und zu pflegen."

Theodor Heuss

Eine Erläuterung des Begriffes "Tradition" erscheint vordergründig einfach:

Althergebrachte Werte auf allen Gebieten eines Gemeinwesens sollen als bewahrenswert der Nachwelt überliefert werden.

Die gegenwärtige Entwicklung und die mit ihr einhergehende und anhaltende Diskussion verunsichern. Es wird immer schwerer, Auswirkungen aktueller Erkenntnisse für eine sinnvolle Zukunft auch als bewahrenswert einzuschätzen. SchIimme Zeiten und schlechte Erfahrungen - so wird uns vorgehalten - stellen uns vor die Aufgabe, unsere Vergangenheit zu bewältigen. Es ist "modern" geworden, die Gegenwart kritisch zu beäugen und dabei vieles zu "hinterfragen".

So sind wir vielfach ängstlich darauf bedacht - und die Gegenwart kann uns wirklich Angst machen -, uns auf die Zukunft einzustimmen, um mit dem dann gültigen Spiegelbild unserer Vergangenheit bestehen zu können.

Diese fließende Abhängigkeit von Vergangenem zu Gegenwärtigem und Zukünftigen trifft auch für die Entwicklung des Schützenwesens zu. Nur schienen die Probleme des achtzehnten Jahrhunderts nicht so umfassend, auch anderer Art. Daß es dennoch um "ein Ganzes" ging, hat der Lauf der Geschichte aufgezeigt. Deshalb sei es hier gestattet, einen Rückblick zu tun.

Bereits in den Gründerjahren ergaben sich nach den vielversprechenden Anfängen (1705 und 1737) Konkurrenzverhältnisse. Hierzu zählten die Bemühungen der Iserlohner Kaufmannschaft, Mitte des achtzehnten Jahrhunders ein eigenes Kavalleriekorps zu gründen.

Es gab um diese Zeit etwa sechzig Kaufleute in Iserlohn. Sie hatten mit Fabrikation und Handel ihre Vaterstadt berühmt gemacht. Iserlohn übertraf durch seinen Handel andere Städte Westfalens und war durch seine Kaufleute auf Messen in Leipzig, Frankfurt und Rotterdam vertreten. So ist zu verstehen, daß der Iserlohner Kaufmannschaft an einer Mitgliedschaft bei den bürgerlichen Schützenkompanien zu Fuß nichts gelegen war. Sie wollten an den Schützenfesten glanzvoll auftreten, hoch zu Roß ausziehen und sich dadurch vom Fußvolk abheben.

Überlegungen konnten nicht ausbleiben, die beiden rivalisierenden Korps Infanterie- und Kavalleriekorps - zu vereinen. Iserlohns Bürgermeister, August Wilhelm Post, und der damalige Kompaniechef der zweiten Kompanie, Johannes Pühl, hatten deswegen schon miteinander gesprochen, als 1826 eine neue Schwierigkeit sich ergab: Fünfzig Iserlohner Bürger, die weder der Infanterie noch der Kavallerie angehören wollten, gründeten das Jäger-Korps.

So wurde denn 1827 aus den drei Korps ein Bataillon gebildet, das aus vier Kompanien und dem Kavalleriekorps bestand, und zwar unter Bürgermeister Post als Oberst. Der grüne Schützenrock des ehemaligen Jägerkorps wurde die traditionelle Uniform des Bataillons.

Neben der organisatorischen Neuordnung des Bataillons war als wichtiges Ergebnis des Zusammenschlusses der für die Iserlohner Schützen gewählte Leitspruch anzusehen:

BÜRGERTREUE UND EINIGKEIT

1987 feiert die zweite Kompanie des Iserlohner Bürger-Schützen-Vereins ihr 250-jährigen Bestehen. Ihre Offiziere und Unteroffiziere sind in die 160jährige Tradition dieses Leitspruches fest eingebunden. Dem Wandel der Zeit entsprechend sind die Schützenbrüder als "Bürgerwehr" nur von symbolischer Bedeutung. Der Schutz von Stadt und Land obliegt anderen Institutionen.

Mit Stolz können die Schützenbrüder dieser zweiten Kompanie und insbesondere auch ihre Frauen sich darauf berufen, das Gedankengut, das dem Leitspruch BÜRGERTREUE UND EINIGKEIT zu Grunde zu legen ist, in guter Tradition zu bewahren. Und was die Erhaltung dieses Gedankengutes noch vestärkt: Die übernommene Verpflichtung spiegelt sich wirkungsvoll in dem sozialen Engagement gegenüber Bürgerinnen und Bürgern der Heimatstadt Iserlohn wieder.

(aus der Festschrift zum 250. Jubiläum der Zweiten Kompanie 1987)

Letzte Aktualisierung:   27.01.2010   20:49:20
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